5 Vorteile von Kinderbetreuung durch die Großeltern

Nach meinem doch sehr harten letzten Post „Oma statt KITA – Kinderbetreuung innerhalb der Familie und warum Fremdbetreuung nicht in Frage kam“, den ich schlaftrunken um 5 Uhr morgens geschrieben hatte, habe ich der lieben @aboutmischa versprochen, die Vorteile und schönen Seiten unserer familieninternen Betreuungsstruktur aufzuzeigen.
Unsere Tochter verbringt vier volle Tage die Woche bei ihren Omas, einen Krippenplatz haben wir nicht. Mama-Oma und Papa-Oma teilen sich die Betreuungszeit unserer Maus gerecht auf. Das heißt, zwei Tage ist sie bei meiner Schwiegermutter im Haus und weitere zwei Tage mit meiner Mama zusammen in unserem Mehrgenerationenhaus, denn meine Mutter wohnt bei uns unterm Dach. Freitags und am Wochenende habe ich frei und kümmere mich selbst um meine Tochter.
Seit knapp eineinhalb Jahren haben wir eine Familien-WG und seit etwa zwei Monaten wird unser Kind tagsüber von ihren Omas versorgt. Das hat viele Vorteile:

Inniges Verhältnis zu den Großeltern

Unsere Tochter hatte schon immer ein sehr enges Verhältnis zu meiner Mutter – logisch, diese wohnt seit Lillys Geburt mit uns in einem Mehrgenerationenhaus und wir sehen und sprechen uns jeden Tag! Mama-Oma schläft zwar unterm Dach, viele Bereiche wie Wohnzimmer und Küche nutzen wir allerdings gemeinschaftlich und bei uns wird abends am Familientisch gemeinsam gegessen.

Allein aus Gründen der räumlichen Trennung war es für die Eltern meines Mannes im ersten Lebensjahr unserer Tochter sicher schwieriger, einen ganz selbstverständlichen Umgang mit unserem Baby zu pflegen. Denn weil Oma und Opa eben nicht täglich ein- und ausgingen, fremdelte unsere Tochter.

Seit Lilly regelmäßig bei ihren Großeltern väterlicherseits untergebracht ist, ist das Verhältnis zu ihnen sehr vertraut geworden und unser Mädchen kuschelt, spielt und lacht sehr offen mit den beiden. Das war es auch, was ich mir so sehr für mein Kind gewünscht hatte – ein starkes familiäres Band und das Gefühl, dass immer jemand für sie da ist und zu ihr hält.

Lillys Großeltern werden nicht, wie eine Erzieherin oder Erzieher, nach zwei Jahren aus ihrem Leben verschwinden, weil es dann in den Kindergarten geht. Die drei werden Bezugspersonen bleiben, auch über die Betreuungszeiten und -phasen hinaus.

Flexibler Startzeitpunkt der Kinderbetreuung

Es ist nicht so, dass wir uns über eine Unterbringung unserer Tochter in einer KITA keine Gedanken gemacht hätten. Auch wir haben vorsichtshalber nach einer Krippe in der Nähe Ausschau gehalten. Letztlich wurde uns zwar ein Krippenplatz angeboten, allerdings kann man den richtigen Zeitpunkt für das Startdatum der Fremdbetreuung nicht selbst bestimmen. Zum Beispiel anhand seines Gefühls, ob das eigene Kind schon soweit ist, sich in einem fremden Umfeld zurecht zu finden. Stattdessen gibt es – verständlicherweise – Fristen und feste Starttermine, zu denen ein Kind bei einer KITA angemeldet ist.

In unserem Fall wäre es so gewesen, dass wir Lilly bereits mit acht Monaten hätten abgeben müssen, was mir einfach zu früh gewesen wäre. Ich wollte ja gerne noch selbst miterleben, wie sie ihre ersten Schritte machen und dann nach und nach selbstständig laufen lernen würde. Wichtige Entwicklungsschritte wie diesen wollte ich nicht aus zweiter Hand vom KITA-Personal erfahren, denn das hätte mir das Herz gebrochen. Dank der Unterstützung meiner Mutter und Schwiegereltern, konnten wir das definitive Ende meiner Elternzeit individuell gestalten und uns an Lillys Entwicklung orientieren.

Hätte sich unsere Tochter die ersten Monate in ihrer neuen Situation nicht zurechtgefunden, hätten wir innerhalb der Familie und ohne Druck von Außen eine Lösung finden können, die im Sinne unseres Kindes gewesen wäre. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet, bin ich froh über die Entscheidung, Lilly nicht schon mit acht Monaten in eine öffentliche Kindertagesstätte gegeben zu haben. Abgesehen davon, dass es für unser Baby noch zu früh gewesen wäre, wäre es auch für mich, als Mutter, der falsche Zeitpunkt gewesen.

Keine Betreuungskosten

In Bayern, genauer gesagt in München und Umgebung, sind die Betreuungskosten nachwievor exorbitant hoch. Bis heute weiß ich nicht, wie andere junge Familien aus der Mittelschicht sich die monatlichen Kosten einer, wohl gemerkt, öffentlichen oder teilweise öffentlichen Kinderkrippe leisten können. An dieser Stelle – schreibt mir doch gerne mal, wie ihr das hinbekommt :D!

Es ist ja nicht so, dass wir die monatlich eingesparten Kosten nun brav zur Seite legen und uns davon in Zukunft etwas Schönes kaufen könnten – wir hätten dieses Geld schlichtweg nicht gehabt. Wären unsere Eltern nicht bereit gewesen, tagsüber auf unser Kind aufzupassen, hätten wir unseren Lebensstandard drastisch senken müssen.

Klar, das wäre bestimmt irgendwie gegangen und wäre sicher kein Weltuntergang gewesen, aber für uns hätte das bedeutet, mit Kind weiterhin in unserer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Vorstadt zu leben, das Auto abzugeben und alle Jubeljahre mal in den Familienurlaub zu fahren. Von Aktivitäten mit Kind, die meistens etwas kosten, ganz abgesehen.

Mit der kostenfreien Betreuung durch unsere Eltern sparen wir uns bestimmt nicht reich, aber wir können unserer Tochter ein normales Leben ermöglichen und müssen nicht jeden Cent zweimal umdrehen. Als Familie können wir nun ganz unbeschwert unseren Alltag planen und müssen nicht stetig händeringend nach billigen oder kostenfreien Freizeitmöglichkeiten suchen oder nur auf günstiges Essen zurückgreifen.

Im Gegenteil, wir haben den Luxus, innerhalb unserer finanziellen Möglichkeiten, zu machen, worauf wir gerade Lust haben und das ist so viel Wert und gibt uns ein gutes Gefühl!

Keine Krippen-Schließzeiten

Wenn beide Elternteile trotz Kind arbeiten gehen (müssen/wollen) ist man sehr stark von den Öffnungs- und Schließzeiten seiner Krippe abhängig. Mein Mann und ich können dank unseres Betreuungsmodells innerhalb der Familie mit oder teilweise sogar ohne Absprache sehr flexibel und kurzfristig agieren. Im Job muss heute noch dringend etwas Wichtiges erledigt werden? Dann können wir das tun. Unsere Eltern, die unsere Tochter tagsüber betreuen, sind so tolerant, dass wir nicht zwangsläufig zu einer bestimmten Uhrzeit auf der Matte stehen müssen – weder morgens noch abends – und es gibt auch keinen Streit, wenn wir erst um 18:30 Uhr Zuhause sind. Mama-Oma und Papa-Oma richten ihren Feierabend nach unserem Feierabend, das ist im Berufsalltag ein riesengroßer Vorteil!

Keine KITA-Krankheiten

Unsere Tochter ist sehr selten krank und wenn, dann sind es meistens „nur“ die Zähne und keine Viruserkrankung. Die meisten Kinder arbeitenden Eltern hingegen, die in einer Krippe untergebracht sind, schleppen sich von Erkältung zu Erkältung und meistens erwischt es die komplette Familie. Einfach mit seinen kranken Kindern Zuhause bleiben geht als Eltern irgendwann aber nicht mehr. Verstehe ich auch, man möchte und muss seinen Job als Ernährer/Ernährerin ja irgendwie behalten.

Daher bringen viele Eltern ihre Kinder eben auch mit Rotznase, Husten und leichtem Fieber in die Krippe. Das bedeutet allerdings, dass alle immer irgendwie dauerkrank sind und das über Monate hinweg. Diesem Problem können wir Gottseidsank soweit aus dem Weg gehen. Natürlich kommt auch unsere Tochter regelmäßig mit anderen Kindern in ihrem Alter zum Spielen zusammen, aber erstens nicht täglich und zweitens nicht so intensiv, dass sie sich ständig ansteckt.

Für uns ist es ein echter Segen, dass wir harmlosen Kinderkrankheiten nicht stetig ausgeliefert sind und unseren Arbeitsalltag weitestgehend gesund bestreiten können. Leider weiß ich aus Erfahrung, dass Eltern mit Kleinkindern, die fremdbetreut werden, sehr schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt haben. Traurig, aber wahr.

Fazit

Die eigenen Kinder von den Großeltern betreuen zu lassen, anstatt diese in einer KITA anzumelden, kann sehr viele Vorteile für alle Beteiligten haben. Nicht nur, dass sich zwischen Enkelkindern und Großeltern eine sehr starke Bindung entwickelt, auch für berufstätige Eltern kann dieses Betreuungsmodell durch flexibel verhandelbare Hol- und Bringzeiten und weniger Krankheitstage ein sehr großer Vorteil im Job sein. Außerdem ist die Unterbringung in einer öffentlichen oder privaten Krippe in einigen Bundesländern ein hoher Kostenfaktor, den sich nicht alle Familien leisten können und wollen.

Eure Jananibe

2018-02-03T19:07:41+00:00

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