Instamamamania

Generation X (60er bis 80er Jahre) versteht die Welt nicht mehr

Hashtag Mommyblogger, Hashtag Lifewithkids, Hashtag Instamom. Herzchenaugen: Oh, wie süüüß!

Willkommen auf Instagram! Innerhalb des sozialen Netzwerks hat sich eine Eltern-Subkultur gebildet, die aus dem Alltagsleben vieler Neu-Mütter nicht wegzudenken ist. Wir sind süchtig nach digitaler Aufmerksamkeit und der Fülle an schnell verfügbaren Informationen.

Habt ihr Gesellschaftskritik erwartet? Hör’ mir auf – bin ich die Süddeutsche Zeitung, oder was? Nein, man, äh, frau, ist doch total geil, was da abgeht!

Kritik hört man schon genug. Vor allem aus den Reihen der Generation X (1960er bis 80er Jahre). “Ihr hockt doch immer nur vor eurem Handy-Dings und verblödet.” Ich weiß nicht, Jahrgang 1965, warst du denn überhaupt schonmal auf Instagram, Facebook … Pinterest?

Instamama-Crashkurs – wer, was, wo & wie?

Okay, okay, sieht so aus, als müsste ich hier einen kurzen Instamom-Crashkurs geben. Dieser richtet sich an ältere Generationen, die ohne Soziale Netzwerke aufgewachsen sind, ihre eigenen Kinder ohne virtuelle Hilfe großziehen mussten und dieses ganze “geinstagrame” ihrer Kinder, die selbst bereits Eltern sind, bis heute nicht verstehen.

Instagram ist ein soziales Netzwerk, das man über eine App auf dem Smartphone öffnet. Haben inzwischen endlich alle Omiiis und Opiiis ihr eigenes gebrauchtes Smartphone geschenkt bekommen? Herzlichen Glückwunsch! Ist etwas kompliziert mit Nachrichten, Telefon WhatsApp, FaceTime – wir reden hier jetzt aber über I-N-S-T-A-G-R-Ä-M.

Um etwas schnell einleuchtend erklären zu können, muss man Bilder im Kopf erzeugen: Stellt euch also das Spiel “Memory” vor mit seinen quatdratischen Bildchen, die akribisch nebeneinander gelegt werden, Reihe für Reihe.

Ihr öffnet in Gedanken die Instagram-App und habt visuell sofort “Memory” vor Augen. Nun steckt hinter jedem Bildchen aber ein Mensch und eine Geschichte. Spannend, nicht wahr? Das Ganze funktioniert global, ist also nicht auf Deutschland beschränkt, sondern schließt fremde Personen aller Nationen mit ein.

Beispiel: Mama Jana alias @jananibe (das bin ich) läd ein Foto ihrer verschnupften Tochter in die App und schreibt dazu: “Lilly hat seit gestern Abend Schnupfen. Hat jemand Erfahrungen und kann mir Tipps geben, womit ich meiner Tochter schnell helfen kann? #babyschnupfen”

Das “#” Rautezeichen nennt man Hashtag und ordnet jedes Bild bestimmten Themen zu. Wieder sind wir bei Memory. Wollt ihr Menschen und Beiträge mit denselben Interessen oder Problemen finden, sucht ihr die gewünschten Schlagworte mit einem Hashtag vorweg. Soweit verstanden?

Ursprünglich ging es bei Instagram um das Hochladen eigener und Anschauen fremder Bilder, die vor allem ein Kriterium erfüllen sollten – visuell ansprechend zu sein.

Subtil, dynamisch, konstruktiv – Soziale Medien heute

Doch seitdem die Generation “Soziale Medien” erwachsen geworden ist, ist auch der Content, also Inhalt, subtiler geworden. Gerade im Bereich Schwangerschaft sowie Kinder im Allgemeinen, geht es um konstruktiven, kontinuierlichen Austausch mit Gleichgesinnten. Also eine Interaktion von Müttern #moms und Bald-Müttern #mommystobe. Ein virtueller Kaffeeklatsch mit Müttern, die man teilweise seit Jahren “kennt”, allerdings in der Regel noch nie persönlich getroffen hat.

Instagram ist kein “doofes in’s Handy starren”. Es ist ein positiv dynamisches Miteinander von Interessengruppen, die sich gegenseitig unterstützen, informieren und ja, unterhalten.

Aktive & passive Instamoms

Wir aktiven Insta-Mamas laden auf unseren öffentlich sichtbaren Profilen regelmäßig (täglich, wöchentlich, monatlich) Bilder unseres Familienlebens hoch. Mama mit Kind beim Babyschwimmen, Kind beim Krabbelnlernen, Papa mit Kind beim Wochenendausflug. Dazu gibt es einen freundlichen Text oder ein Thema, das als Diskussionsrunde genutzt wird. Dafür bekommen wir “Likes” auf unsere Bilder sowie “Kommentare” anderer Mütter zu unseren Themen und Fragen. So wie in einem Internetforum. Nur, dass es funktioniert und zwar pronto.

Muss man sein Familienleben und seine Kinder so nach außen präsentieren? Ist das nicht irgendwie total pervers? Diese Frage ist natürlich mehr als berechtigt, soll aber nicht Gegenstand dieses Posts sein. Darüber können wir gern ein anderes mal diskutieren. Falls Interesse besteht, schreibt mir!

Dann gibt es widerum viele passive Mama-Profile, die zwar viel “liken”, also Bilder mit einem Herzchen versehen, und ihre Erfahrungen als Kommentar teilen, jedoch keine Bilder ihres Alltags zeigen.

Instagram lebt sowohl von aktiven, als auch von passiven Instamama-Profilen. Es ist ein ständiges Geben-und-Nehmen.

Gefällt euch ein Profil besonders, zum Beispiel, weil ihr euch mit einer Mama identifizieren könnt oder sie aus anderen Gründen toll findet, könnt ihr dieser “Folgen”.

Follower & Likes – wen interessiert’s?

Eine hohe Followerzahl bestimmt den Einfluss einer Mommybloggerin, denn umso mehr Menschen ihr folgen, desto “wichtiger” erscheint sie und umso mehr Mütter diskutieren bei ihren Themenrunden auch mit.

Für ältere Semester mag es unverständlich sein – das mit den Followern und den Likes. Wen interessiert denn das bitte? Ist das nicht eine vollkommene Zeitverschwendung? Haben Mütter nichts Besseres zu tun, als schicke Fotos zu machen und ihren Senf zu allem dazuzugeben, was andere tun? Tja, Omiii und Opiii, isso! Wir können uns gern über Sinn und Unsinn streiten – Fakt ist: So läuft das eben heute. Mit Ausnahmen natürlich.

Was können sich diese “Instamoms” nun von ihrem vermeintlichen Ruhm kaufen? Die meisten – nix. Dafür bekommen einige allerhand #babystuff von Firmen umsonst #gesponsored. Instagram-Profile sind nämlich zu echten Werbeplattformen geworden.

Das liegt daran, dass “Influencer”, so nennt man einflussreiche Instagramer, Stars zum Anfassen sind und man ihren persönlichen Empfehlungen vertraut. Wer sich also besonders anstrengt, kann seine Vorteile aus einem Leben als Bloggerin ziehen. Allerdings steht, soweit ich das beurteilen kann, in der Regel der Aufwand in keinem Verhältnis zum “Profit”. Mütter, korrigiert mich, wenn ich falsch liege.

Instagram ist ein zweischneidiges Schwert, ohne Frage. Nicht alle Instamoms sind freundliche Regenbogeneinhörner, auf die die Atribute Freundlichkeit, Höflichkeit und diplomatisches Geschick zutreffen. Nichtsdestotrotz ziehe ich sehr viel positive Energie aus diesem “ständigen auf’s Bildschirm glotzen”.

Starke Gemeinschaft – Wissen ist Macht

Nirgendwo sonst habe ich bisher bei Problemen mit meinem Kind so schnell so exzellente Ratschläge erhalten. Denn Instamoms sind in erster Linie gut informierte, kompetente Herzblutmütter, die ihren unglaublich großen Erfahrungsschatz mit anderen Müttern bereitswillig teilen – SOFORT. Oft dauert es keine zwei Minuten, bis ich die Lösung zu einem akuten Problem, die Antwort auf eine mir wichtig erscheinende Frage oder eine Produktempfehlung Schwarz auf Weiß habe. Ist das nicht großartig? Wo gibt’s denn sowas?

Eine Mommybloggerin zu sein, heißt, by the way, nicht, dass man keine echten Freundschaften mehr pflegt und sich nur noch hinter dem Handy versteckt. Ist doch schon immer euer Argument gewesen. Die A-Sozialisierung der Menschheit. So ein Quatsch. Ja, wir verbringen sehr viel Zeit mit unserem Smartphone. Das würde wohl niemand ernsthaft versuchen zu leugnen.

Unsere Präsenz in den digitalen Medien ersetzt jedoch nicht unser reales Familienleben, es bereichtert es. Das kann ich von Herzen sagen.

Was habt ihr Omiiis denn früher gemacht, wenn Fragen aufgetaucht sind bezüglich eurer Kinder oder ihr euch einfach mal konstruktiven Rat holen wolltet? “Da haben wir eine Freundin gefragt.” Und wenn die es nicht wusste – Pech gehabt. Thema erledigt.

Fazit

Instagram gibt uns “neuen” Eltern, ja, auch den Vätern, eine Plattform unser Elternsein zu zelebrieren und zu optimieren. Dafür bin ich dankbar. Ich als junge Mutter kann mir ein Leben ohne meine Instamädels gar nicht mehr vorstellen, da ich ihnen so viel zu verdanken habe. Sie beraten mich in Erziehungsfragen und unterstützen mich mental bei der Bewältigung alltäglicher Familienkrisen. Sie können nicht die beste Freundin ersetzen, aber Dank der Instamamamania macht jeder Tag zwischen Babykotze und vollen Windeln einfach mehr Spaß!

Eure jananibe

2017-07-04T12:52:18+00:00

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