Lieblingsbücher aus der Kindheit

Warum Sabine? Vor einiger Zeit fiel mir in meiner Likes- & Follower-Liste immer wieder dieses Profil mit dem lustigen grünen “Männchen” auf – ein Häschen, ein Drache, ein Känguru?! Ich konnte nicht genau erkennen, was es war, aber ich wurde so neugierig, dass ich @fipsundich anklickte. Die hat nen Blog! Also sofort den letzten Artikel gelesen und, wow, die Frau hat’s drauf.

Wenn ich mich recht erinnere, schrieb ich Sabine in meiner absoluten Begeisterung umgehend eine Nachricht. Mangelnde Begeisterungsfähigkeit kann man mir nicht unterstellen. Die Klarheit, mit der diese Baldmama auf ihrem Blog “Der kleine Brandenburger” die Gefühle zu ihrem ungeborenen Kind ausdrückt, fand ich faszinierend. Noch dazu waren ihre Posts über Erstsausstattung und Elterngeld so gut recherchiert, dass ich nach dem Lesen innerlich Beifall klatschte. “Der kleine Brandenburger” ist das genaue Gegenteil zu “jananibe”, dachte ich. Klar strukturiert und aufgeräumt. I love it! Sabine ist Buchhändlerin und Texterin von Beruf – Jackpot!

Entschuldigung, die Frau ist ja mal der Hammer! Während ich so rumsitze, in der Nase bohre und Instagram-Nachrichten beantworte, schreibt Mrs. Book’n’Roll ganze Bücher. Das lassen wir sacken und bestellten währenddessen über unsere Amazon-App schön brav folgenden heißen Shit:

Eure Jananibe

Meine liebsten Kinderbücher damals & heute

Als Jana mich um einen Gastbeitrag für ihren Blog bat, habe ich mich riesig gefreut. Gleichzeitig ging das Kopfkarussell los: Über was soll ich denn bloß schreiben?! Schließlich habe ich eins meiner Herzensthemen vorgeschlagen: Bücher. Denn als gelernte Buchhändlerin habe ich nach wie vor all meine Lieblingskinderbücher im Regal und als werdende Oktobermama kann ich es gar nicht abwarten meinem eigenen Kind daraus vorzulesen. Hier also sind die Top-5 meiner Kindheit!

 

Eric Carle „Die kleine Raupe Nimmersatt“ (1969)

Diese kleine Geschichte kennt wohl (fast) jeder: Seite um Seite frisst sich die hungrige Raupe durch immer mehr Köstlichkeiten und wird trotzdem nicht satt! Doch zuletzt stillt ein grünes Blatt ihren Hunger und sie wird furchtbar müde… doch sie schläft nicht nur, sondern erwacht als wunderschöner Schmetterling.

Was ich als Kind daran geliebt habe: Wie man bei meiner Auswahl Lieblingsbücher noch merken wird, mag ich Geschichten, in denen gut gegessen wird! Vielleicht weil ich selber gern esse? Oder esse ich deswegen so gern, weil ich hoffe, schließlich auch noch mal ein Schmetterling zu werden? Ich weiß es nicht. Jedenfalls mochte ich die kleine Raupe, ihren Appetit und ihre Leidenschaft für knallbuntes Essen.

Warum ich es meinem Kind vorlesen möchte:  Abgesehen vom Essen, ist „Die kleine Raupe Nimmersatt“ nach wie vor ein schönes Bilderbuch für die Allerkleinsten. Die Geschichte ist schnell gelesen und die Illustrationen eignen sich zum ersten Lernen von Farben, Zahlen und Obstnamen – außerdem lassen sich mit den Fresslöchern der Raupe kleine Finger- und Tastspiele spielen.

Janosch „Guten Tag, kleines Schweinchen“ (1987)

Eines Tages verlässt der traumtänzerische kleine Tiger den braven kleinen Bären, um im verlotterten Haushalt des kleinen Schweinchens einzuziehen. Denn hier stehen keine Pflichten auf der Tagesordnung – hier wird gelebt! Das zumindest denkt der kleine Tiger. Bis er merkt, dass er vom faulen Schweinchen nur ausgenutzt wird, und schleunigst nach Hause zurückkehrt.

Was ich als Kind daran geliebt habe: Hier wurde natürlich wieder gegessen. Spaghetti mit Tomatenpapp, Forelle mit Mandelkernsoße und natürlich frischer Kuchenteig! „Oh, Schlabberteig!“, rief das kleine Schweinchen, und klatschte sich einen ganzen Batzen davon in den Mund. Das kleine Schweinchen fand ich gemein (wenn auch stilsicher in seinem wortwörtlichen Saustall), den Tiger dumm und den kleinen Bären bedauernswert, aber mit diesem lautmalerischen Satz hatte Janosch mein Herz gewonnen.

Warum ich es meinem Kind vorlesen möchte: Zum Einen natürlich wegen der Wortmalerei – Janosch kann man vorlesen, dass die Wände wackeln! Es wäre schön, wenn unser Fips die Worte ebenso liebt wie ich. Zum Anderen sind da Janoschs tolle Zeichnungen und seine schrägen Gestalten – nicht immer ganz stubenrein, aber genau das mag ich an ihm. Denn Janosch ist wie das Leben: Es werden immer Fehler gemacht, doch wenn man so ehrlich liebt wie der kleine Bär es tut, dann kann man sie trotzdem verzeihen.

 

Astrid Lindgren „Ronja Räubertochter“ (1981)

Inmitten eines tosenden Gewitters, das die Räuberburg ihres Vaters in zwei Hälften spaltet, wird eines Nachts die kleine Ronja geboren: furchtlos, schön und so wild wie eine Grausedrude. Während ihr Vater mit seiner Bande auf Raubzug zieht, tollt Ronja durch den Wald und ist sich selbst genug – bis sie auf Birk trifft. Die beiden freunden sich an und alles könnte wunderbar sein, wäre Birk nicht der Häuptlingssohn einer feindlichen Räubertruppe…

Was ich als Kind daran geliebt habe: Den Wald, die Freiheit und die Rumpelwichte natürlich! Wiesu tut sie su? Wie Ronja habe ich „den Wald“, sprich: den verwilderten Garten meiner Eltern, geliebt und dort jede Menge Abenteuer erlebt. Hier hatte ich meine eigene Bärenhöhle und habe am imaginären Feuer Stöckchen geschnitzt. Und (hier kommen wir wieder zum Thema Stubenreinheit) ich mochte, dass in diesem Buch geflucht wurde – zum Donnerdrummel noch eins!

Warum ich es meinem Kind vorlesen möchte: Ronja weiß, was richtig für sie ist und was falsch, und sie lässt sich von niemandem davon abbringen. Das gefällt mir immer noch Außerdem habe ich beim erneuten Lesen festgestellt, was für eine großartige Frau ihre Mutter Lovis ist. Denn obwohl sie den starrsinnigen Häuptling Mattis liebt, lässt sie sich von ihm ebenso wenig unterkriegen wie Ronja, sondern folgt ihrem Herzen und der Liebe zu ihrer Tochter. Was könnte ich meinem Kind Schöneres vermitteln?

Otfried Preußler „Die Abenteuer des Räuber Hotzenplotz“ (1962, 1969 und 1972)

Bei seinem ersten Raubzug erobert Räuber Hotzenplotz die neue Kaffeemaschine der Großmutter, die so schön „Alles neu macht der Mai“ spielt. Großmutter fällt in Ohnmacht, Wachtmeister Dimpfelmoser ist ratlos – und so fangen Kasperl und Seppel den bösen Räuber eigenmächtig (und inklusive der Kaffeemühle) ein. Beim zweiten Abenteuer übt Hotzenplotz dafür schreckliche Rache: Zuerst stopft er die fürs Mittagessen bestimmten Bratwürste samt Sauerkraut in sich hinein, und dann entführt er auch noch die Großmutter! Zum Glück kommen ihm Kasperl und Seppel auch hier wieder auf die Spur. Aber kein Wunder, dass Hotzenplotz nun in Band 3 keiner glaubt, als dieser der Räuberei ein für alle Mal abschwören will…

Was ich als Kind daran geliebt habe: Eine Räuberhöhle im Wald? Fand ich toll, wollte ich auch! Und ich liebte Preußlers Vokabular (wo sonst werden Kürbisse gegessen, dass es nur so schnurpste?) ebenso wie seine farbenprächtigen Figuren. Außerdem mochte ich Pflaumenkuchen mit Schlagsahne ebenso sehr wie Seppel und Kasperl – und Hotzenplotz’ Schwammerlsuppe mit Speck und Zwiebeln hätte ich auch gern mal gekostet!

Warum ich es meinem Kind vorlesen möchte: Ich kann mir bildlich vorstellen, wie die rasanten Abenteuer unserem Fips den Mund offenstehenlassen – und wie Fips sich amüsiert, wenn Kasperl den Namen des mächtigen Zauberers Petrosilius Zwackelmann zu einem respektlosen Zeprodilius Dackelzahn verdreht. Und ich finde es schön, dass bei Preußler auch die Helden irren – und die vermeintlich Bösen eine neue Chance bekommen.

 

Michael Ende „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (1960)

Die Wahl des fünften Kinderbuchs fiel mir schwer… bis mein Blick an Michael Endes Werken hängenblieb. Da war die Sache klar: Denn Ende ist für mich der wohl farbenfrohste und gleichzeitig erwachsenste Kinderbuchautor überhaupt. „Die unendliche Geschichte“ muss man selbst lesen (am besten eingehüllt in Decken auf einem schummrigen Dachboden), aber Lukas und sein kleiner Freund Jim erleben Abenteuer zum Vorlesen. Von der kleinen Insel Lummerland machen sie sich auf in ferne Länder und retten am Ende Prinzessin Li Si von Mandala in Drachenstadt aus den Fängen der schrecklichen Frau Malzahn.

Was ich als Kind daran geliebt habe: Alles! Ich liebte die dicke Emma und Lukas mit seinen öligen Händen (bis heute habe ich eine Schwäche für Männer mit einem Ring im Ohr), den durchsichtigen Tausend-Wunder-Wald und den Scheinriesen Herrn Tur Tur… kurzum, wirklich alles. Nur Jim ging mir manchmal ein bisschen auf die Nerven.

Warum ich es meinem Kind vorlesen möchte: Beim erneuten Lesen fiel mir auf, dass Jims schwarze Haut besonders am Anfang häufig thematisiert wird – und zwar sowohl als Symbol für seine Andersartigkeit als auch für seine Ähnlichkeit mit den hellhäutigen Lummerländern. Damals ist mir das nicht so aufgefallen, heute finde ich das überflüssig (es sei denn, man nutzt es als „Aufhänger“, um die Vielfalt der Menschen zu besprechen). Ansonsten finde ich Jims und Lukas’ Abeteuer ebenso mitreißend wie früher – bunt, wild, witzig und wunderbar.

 

Liebe Jana, ich danke dir für diesen kleinen literarischen Ausflug in meine Kindheit! Beim (Wieder-)Lesen bin ich noch einmal in die alten Welten eingetaucht… und ich musste mich wundern, wie präsent etliche Details auch nach zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren Lesepause waren! Und ich entdeckte Worte, Wortkombinationen, Wortwitze, die ich bei meinem eigenen Schreiben auf ähnliche Weise selbst verwende – offenbar haben mich meine Lieblingsbücher wirklich tief beeindruckt. Ein Grund mehr, sie unseren Kindern weiterzuempfehlen, oder?

Was sind eure Lieblings-Kinderbücher von früher und welche wollt ihr euren Kindern vorlesen?

Eure Sabine

2017-09-26T08:39:39+00:00

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