„Nein, lass los!“ – die ersten 2 Sätze

Die ersten zwei Sätze! Ach, wie niedlich, mein Kind reiht plötzlich Wörter aneinander. Und das auch noch in der richtigen Reihenfolge. Leck mich, wo ist die Zeit geblieben? Irgendwie macht es mich ja stolz. Eineinhalb und schon Grammatikgenie. Das ist meine Tochter!

Der erste Satz eines Kindes ist bahnbrechend und geht in die Familiengeschichte ein. Mit Schnappschuss im Fotoalbum. Dort steht jetzt unter dem Foto eines wütend dreinblickenden Mädchens mit kurzem Flaum auf dem Kopf: „Nein, lass los!“

Hmmm … habe ich mir irgendwie anders vorgestellt, den sprachlichen Durchbruch. Sowas wie „Mama, ich hab dich lieb!“ oder „Lass uns kuscheln.“ Aber nö. Nachdem ich meiner Prinzessin in einem Anfall von „Sei-mal-still, Klappt-nicht, Na-gut-dann-bin-ich-halt-noch-lauter-als-du“ den Lauflernwagen aus der Hand riss, um damit wie eine Bescheuerte durchs Wohnzimmer zu pesen, erhielt ich prompt die Quittung: Ein sprechendes Grumpy-Baby! Wut in ganzen Sätzen.

Blöder Zufall, dachte ich mir, vielleicht habe ich klein Lilly auch falsch verstanden. Aber nein. Tagsdarauf stand ich nach einem laaangen Arbeitstag mit hängenden Schultern da, während mich Omiii mitleidig umarmte. „Nein, geh weg!“, sagte da meine Kleine zu Omiii und haute ihr energisch auf die Finger. Eifersucht in ganzen Sätzen.

Sie spricht! In ganzen Sätzen. Wiederholt. Woaaahh! Hammer! Wie ist das nur möglich? So plötzlich.

Nur schade, dass es nichts Flauschiges ist, was sie da sagt, meine kleine Maus. So hält sie uns wohl den Spiegel vor, meiner Mutter und mir!

Andererseits: Ist Sprache nicht genau dafür gut? Um seine Bedürfnisse und Emotionen auszudrücken. Unvermittelt. So, dass der Gegenüber klar versteht, woran er ist. Auch mal sagen dürfen, wenn was nicht passt oder man wütend ist – ich finde, das ist eine Kunst, die ganz viele Erwachsene nicht mehr beherrschen.

Konkret sein – das ist mir irgendwie abhanden gekommen. Ehrlich, direkt, auf den Punkt. Meiner Tochter gelingt das mit ihren ersten zwei richtigen Sätzen.

Kein Ich-sage-etwas-meine-aber-etwas-ganz-anderes, kein Um-den-heißen-Brei-Herumgerede, kein subtiles Affentheater. Einfach gerade heraus „Nein, lass los!“, Kawum! Das ist mal eine Aussage, die ihre Wirkung nicht verfehlt hat und mit der ich arbeiten kann.

Trotzdem nehme ich mir vor, als Spiegel meines Kindes, wieder öfter auch mal freundliche Dinge zu sagen. Nicht immer so genervt und gestresst zu reagieren, damit sie auch ein “Hab dich lieb.” ganz selbstverständlich in ihren Wortschatz aufnehmen kann. Vielleicht wird das ja der dritte Satz, das würde ich mir zumindest wünschen :).

 

Eure Jananibe

2018-05-05T12:08:27+00:00

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