Stillen in der Badewanne – heiliger Tempel des Stillens

Schönes Ritual, aber ist das okay?

Darf man das, in der Badewanne stillen? Ist das nicht irgendwie … komisch, frage ich mich peinlich berührt, als meine kleine Tochter Lilly zum ersten Mal beim gemeinsamen Baden ganz proaktiv meine nackte Brustwarze anvisiert.

„Kind!“ Ein irritierter Seitenblick meinerseits. Kurzes Überlegen. Hmm, na gut, sieht ja keiner.

Was als leicht vestörendes Erlebnis beginnt, ist mit der Zeit zu einem unheimlich schönen Ritual geworden.

 

Magische Momente

Haut an Haut

Warmes Wasser, entspannende Musik, sich, im wahrsten Sinne des Wortes, nah sein. Haut an Haut!

Diese Momente in der Badewanne, wenn mein Kind vor Entspannung an meiner Brust einschläft, haben mittlerweile, da ich die Intimität zwischen uns beiden ungehemmt zulassen kann, etwas Magisches. Als ob die Welt für einen kurzen Augenblick aufhört sich zu drehen.

 

Grenzenlose Liebe spüren

Meine wundervolle Tochter. Ich LIEBE dich mit jeder Faser meines Herzens, denke ich dann, lächle zufrieden und drücke ihren kleinen Körper noch enger an mich.

Mein Baby spüren, unsere Still-Verbindung achtsam wahrnehmen und genießen, das gelingt mir nur in der Badewanne, wo es keine Ablenkungen gibt, nur totale Entspannung.

 

Stillen & Nacktsein

Anfänglich fühle ich mich beinahe verpflichtet, mich zu schämen. Sollte man seinem Kind so nah sein? Ist das noch okay? Schon lange habe ich das Gefühl, dass Intimität und gemeinsames Nacktsein in unserer heutigen Gesellschaft nur Mann und Frau vorbehalten ist.

Dabei ist dieses Kind aus meinem Fleisch und Blut geformt, in mir gewachsen und hat auf sehr intime Weise meinen Körper wieder verlassen. Wie könnte ein Mensch also jemals auf den Gedanken kommen, Stillen und dabei nackt sein, sei etwas Schmutziges?

 

Emotionales Stillen

Im Gegenteil, es ist etwas Wundervolles und nährt nicht nur den Körper eines Babys, sondern auch seine Seele!

 

Intimität zulassen lernen

Unsere Sprößlinge zeigen uns, was für sie ok ist und was nicht, was sie brauchen und wollen. Man muss nur hinsehen und zulassen lernen.

Lilly braucht diese Nähe, Berührung, Wärme. Sie braucht mich und nicht nur eine Brustwarze, die dezent aus dem Still-BH oder T-Shirt hervorblitzt.

 

Gebärmutter – Badewanne des Lebens

Wenn sie mich, auf mir sitzend, mit ihren kurzen Ärmchen umschlingt, ihre Stirn fest an meinen aufgeheizten Oberkörper drückt und tief atmend an meiner Brust nuckelt, sind wir wieder Eins. Wie vor 10 Monaten, als sie noch als ungeborenes Menschlein im Fruchtwasser meines Unterleibs – der Badewanne des Lebens – lag.

 

Lösungsprozess in 3 Schritten

Damals verband uns die Nabelschnur, jetzt die Brust und schon bald wird sich mein kleines Mädchen vollständig von meinem Körper lösen müssen, ja, wollen. Dann wird es vielleicht das Kuscheln sein, dass unsere physische Verbindung aufrecht erhält, und irgendwann, in der Pubertät, werden wir unsere körperliche Nähe zueinander verlieren. So muss es sein, so will es die Natur.

 

Nähebedürnis stillen

Ich werde dich loslassen, meine schöne Tochter, sobald du mir das Signal dazu gibst. Doch solange du diesen tiefen Körperkontakt suchst, werde ich, deine Mama, dein Bedürfnis nach Liebe und Berührung stillen.

Die Badewanne ist unser gemeinsamer heiliger Tempel des Stillens.

 

Ihr seid gefragt

Stillt ihr euer Baby auch ab und zu beim Baden und wie erlebt ihr diese Momente?

 

Eure Jananibe

2017-09-22T10:51:52+00:00

3 Comments

  1. Lu 22. September 2017 at 11:54 - Reply

    Wie schön Du das geschrieben hast! Das ist mir auch neulich so passiert & ich muss sagen es war genauso wie Du es beschreibst. Wunderschön & nah & besonders. Ich dachte auch: darf ich so fühlen? Ja! Weil es genau das ist! Nähe, Ruhe, Liebe.

    • Jana Berger 22. September 2017 at 15:43 - Reply

      Das freut mich sehr, dass ich nicht allein mit meinen Gefühlen bin! Danke für deinen Kommentar

  2. Carina 17. Januar 2018 at 19:25 - Reply

    Es ist sehr schön und es ist so „rein“
    natürlich – nichts anderes außer die Beziehung Mama – Kind. Wie nach der Geburt wenn das nackte Baby das erste mal angelegt wird. Ich habe das sehr genossen. Inzwischen zeigt sie auf meine Brüste und lacht und freut sich dass sie da sind. Aber sie geht von sich aus nicht mehr dran in der Badewanne. Das ist nun nur noch mit dem einschlafen und kuscheln verbunden. Es lebe das „langzeitstillen“ ahäm also wenn man es halt mehr als 12 Monate tut. Ob das schon dazu zählt. Du schreibst echt toll und lustig. Emotional und trotzdem leicht zu lesen. Ich lese gerne mit. Liebe Grüße

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