Stillgruppen & Stilltreffen – Anonyme Stilloholiker

Allgemein

Was sind Stillgruppen & Stilltreffen?

Stillgruppen und Stilltreffen werden regelmäßig von Vereinen wie dem La Leche Liga Deutschland e.V. veranstaltet. Genau genommen handelt es sich hierbei um Selbsthilfegruppen für stillende Mütter, die von einer ausgebildeten Stillberaterin begleitet und moderiert werden. Ziele sind das Klären akuter Stillprobleme und das fachkundige Beantworten von Fragen zum Thema Stillen.

 

Für wen sind Stilltreffs?

Willkommen sind auch stillende Mamas, die nicht primär Stillprobleme haben, sondern ihren Entschluss, stillen oder länger als üblich stillen zu wollen, kräftigen möchten. Hier erhalten Stillmütter Unterstützung und Zuspruch, um den gewählten Weg gegenüber dem Contra “Stillen” eingestellten Umfeld zu “verteidigen”.

Der Austausch mit Gleichgesinnten macht dir Spaß und du suchst nette Kontakte für dein Stillkind? Auch in diesem Fall bist du in einer Stillgruppe richtig. Stilltreffen gibt es übrigens auch auf Englisch!

 

Wie läuft ein Still-Meeting ab?

Circa 90 Minuten sitzen Mütter mit ihren Stillkindern aller Altersstufen (vom Neugeborenen bis zum Kleinkind) in einem Kreis zusammen auf dem Boden. Für die Älteren Kinder gibt es Kissen und Spielzeug, um sich zu beschäftigen.

Euch erwartet eine Kleinigkeit zu Essen, wie z.B. Brezen, und Wasser sowie Stilltee zum Trinken.

Stillbabys und Geschwisterkinder sind herzlich willkommen. Diese darfst du während des Treffens ungehemmt stillen, musst es aber nicht. Niemand bewertet deine Stilltechnik, glotzt dir auf den Stillbusen oder fasst ihn gar an! Bei einem Stilltreffen geht es wirklich nur darum, sich mündlich über Stillprobleme und Stillerfahrungen auszutauschen. Alles kann, nichts muss. Wenn du keine extrovertierte Mutter bist, die gerne quatscht, hörst du eben vorwiegend zu.

Nach der Reihe darf jede anwesende Stillmama ihre persönlichen Fragen zum Stillen stellen und Stillprobleme schildern. Die Stillberaterin gibt daraufhin wertvolle Stilltipps und Mütter mit ähnlichen Stillproblemen stehen mit deren Praxiserfahrung hilfreich zur Seite.

Im Anschluss freut sich jeder Stillverein natürlich über eine Spende von circa 4€, um weiterhin Stillberaterinnen ausbilden zu können und Stilltreffs in Still-Selbsthilfegruppen zu ermöglichen.

 

Welche Fragen zum Stillen kann man stellen?

Diese und ähnliche Fragen kannst du bei einem Stilltreffen stellen:

  • Habe ich genug Milch, wird mein Baby satt?
  • Was kann ich tun, wenn ich zu viel Milch habe und mein Baby sich oft verschluckt und häufig Blähungen hat?
  • Wie oft und in welchem Rhythmus sollte ich stillen?
  • Darf ich mein Baby stillen, um es zu beruhigen, Stichwort emotionales Stillen?
  • Mein Baby möchte Nachts ständig an die Brust, was kann ich tun?
  • Ich muss nach einem Jahr Elternzeit wieder arbeiten, wie kann ich trotzdem weiterstillen?
  • Mein Baby nimmt keine Beikost an, liegt es am zu häufigen Stillen?
  • Mein Kind kommt in die Krippe, KITA oder Kindergarten, wie kann ich Fremdbetreuung mit dem Stillen vereinbaren?
  • Welche Stillpositionen gibt es, kann ich im Laufen stillen oder sogar im Tragetuch?
  • Wie lange sollte ich stillen, wann muss ich abstillen, gibt es ein natürliches Abstillalter?
  • uvm.

 

Kurzzusammenfassung

Für Stillende Mütter mit:

  • Stillproblemen
  • Fragen & Unsicherheiten zum Thema Stillen (was auf 99% aller stillenden Mütter am Anfang übrigens zutrifft)
  • Freude am Austausch mit anderen Stillmamas
  • Spaß am Weitergeben der eigenen Stillerfahrungen

Weitere Gründe, um einmal oder regelmäßig eine Stillgruppe eines Stillvereins zu besuchen:

  • Um dir emotionalen Rückhalt für deine Entscheidung, stillen oder länger stillen zu wollen, zu holen
  • Einfach so, weil dich, als Stillmama interessiert, wie ein Stilltreff abläuft
  • Um dein Stillwissen zu erweitern, denn man lernt nie aus

 

Meine persönliche Stilltreff-Erfahrung

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Freitag 10 Uhr – Meeting der La Leche League Stillgruppe in München Schwabing. Vergiss deine Brust nicht, denke ich belustigt, als ich zuhause noch schnell meine sieben Sachen zusammenpacke. Achja … und das Kind natürlich. Sonst noch was?

Omiii drückt mir eine Tupperbox mit Käsebrötchen in die Hand. Heute noch nichts gegessen. Für den Kaffee reicht die Zeit ebenfalls nicht mehr. Mütter – immer im Stress! Von einem Termin zum nächsten.

 

Vorurteile im Vorfeld

Im Auto frage ich mich, was meine Tochter Lilly und mich erwarten wird. Stillgruppe? Ich habe ein komisches Gefühl … als ob ich mich einer Still-Sekte anschließen würde. La Leche League – das klingt so nach Bruderschaft, äh, Schwesternschaft. Abstrakt halt und auch ein bisschen gefährlich. Soll ich ehrlich sein – ich habe keine Ahnung, was zum Henker man in einer Stillgruppe macht und warum zum Teufel man da hin geht. Echt nicht und das obwohl ich bereits selbst seit fast 11 Monaten stille. Muss man bei einem Treffen der Anonymen Stilloholiker wirklich mal gewesen sein? Im Nachhinein ein eindeutiges “Jaaaaa, unbedingt!” Denn es ist bei Weitem nicht so “strange”, wie ich mir vorgestellt hatte.

 

Wer zu spät kommt, …

Auf dem Weg zur Münchner Freiheit verfahre ich mich um den Petueltunnel gefühlte hundert Mal. Mein Handy-Navi befiehlt in Endlosschleife: Bitte wenden, bitte wenden, nach 700m wenden. Ja, zum Guckuck, jetzt hab ich doch schon dreimal gewendet! Wenn das so weitergeht, komme ich noch zu spät. Kleiner Scherz am Rande, ich bin natürlich bereits zu spät, so wie immer und überall.

Die Zeiger auf der Uhr waren schon vor meiner Schwanger- und Mutterschaft permanent gegen mich, aber seitdem ich Mutter bin, kreidet mir meine Unpünktlichkeit wenigstens keiner mehr an. Zeit ist relativ, das wusste schon Einstein, und ich habe sogar mal gelesen, dass unpünktliche Menschen gar nicht pünktlich sein KÖNNEN. Naturgesetz!

 

Viele Wege führen nach Rom

Endlich bin ich an der Seidlvilla am Nikolaiplatz angekommen, doch ich finde (natürlich) zunächst nicht den richtigen Eingang. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Schließlich stolpere ich durch die richtige Tür und frage mich erstmal durch.

“Stillgruppe. 1. Stoooock? Aufzug? Nö, brauch ich nicht.”, sage ich ganz automatisch, und bereue es sofort, denn Maxi-Cosi inklusive speckigem Stillbaby, Wickeltasche und Kamera wiegen zusammen bestimmt um die zwanzig Kilogramm. Als ich im ersten Stock der Seidlvilla stehe, bin ich erstmal mächtig außer Puste. Wieder muss ich mich durchfragen.

“Stillgruppe. Reeeechts? ”

 

Endlich da

Das Stilltreffen ist bereits in vollem Gange. Fünf Mamas sitzen mit ihren Kindern, teilweise stillend, auf einem roten Teppich, der mit Moltontüchern gespickt ist. Ganz vorne die Stillberaterin, die offensichtlich gerade im Erklärmodus ist.

Hastig lege ich mein Gepäck ab, hebe mein Kind aus dem Maxi-Cosi und bin erstmal minutenlang damit beschäftigt, Lillys Brezenkrümel aufzusammeln, die beim Herausnehmen allesamt auf den Boden gefallen sind. Peinlich. Zu spät kommen, Lärm machen und dann auch noch nen Saustall hinterlassen. So kennen wir sie, die Chaosmutti, denke ich, und verdrehe innerlich die Augen über mich.

Endlich quetsche ich mich noch irgendwo dazwischen und setze Lilly auf den Teppich. Sooo, erstmal runterkommen, es kann losgehen, jipiiee, spannend. Halt Moment! In Gedanken erhobener Zeigefinger. Warum ist Lillys Hose hinten nass? Uff, Windel ausgelaufen. Nein, warum, warum ich, warum jetzt?

 

Windelunfall

Wieder laufe ich hastig, aber auf Zehenspitzen mit Kind im Arm durch den Raum und hole eine Windel, Feuchttücher und Lillys Jacke zum Drunterlegen. Dass ich mein Kind bestimmt auch in einem separaten Raum hätte wickeln können, kommt mir leider erst, als die Windel schon auf ist. Hm, egal, dauert ja nur zwei Sekunden. Wechselklamotten fürs Baby habe ich in der Eile vergessen, ich habe jedoch Glück, dass die Kacke schön in der Windel geblieben und nur etwas Pipi ausgelaufen ist – und zwar im Hüftbereich und nicht am Pöpes. Das Glück ist auf meiner Seitäääää!

Jetzt bin ich also voll dabei, also mittendrin meine ich, in meinem allerersten Stilltreffen. Lilly beginnt sofort freudig zu strahlen und mit einem kleinen Jungen zu flirten, der nur wenig jünger zu sein scheint.

 

Bin ich hier richtig? Und ob!

Bereits beim Wickeln habe ich ein paar Wortfetzen des Themas aufgeschnappt.

“… kommt Nachts so oft an die Brust, Katastrophe!”

Hey, denke ich mir, ist bei uns genauso. Cool, eine Leidensgenossin, die auch noch ziemlich sympathisch aussieht (und noch nicht auf die fünfzig zugeht – gemein, ich weiß).

“… muss nach einem Jahr wieder arbeiten gehen. Kann ich trotzdem weiterstillen?”

Wieder geht bei mir im Oberstübchen ein Lämpchen an. Ja, gute Frage, geht das denn? Die Frage habe ich mir auch schon oft gestillt, äh, gestellt.

“Natürlich geht das.” Waaaas echt?! Ist ja mega, Leute, ich glaub’, ich bin hier richtig.

“… zu viel Milch!” Yeah, genau mein Thema, Mäuschen. Hab’ das auch schon alles durch.

Zunehmend werde ich aufgeregter und freue mich wie Bolle, dass hier Frauen sitzen, die tatsächlich dieselben “Probleme” haben wie ich, und die sind alle total normal!!! Naja, die einen sind mir ähnlicher, als die anderen, aber im Grunde sind alle total “normal”.

Und diesen tollen Austausch über Dinge wie “unkontrollierbar aus den Brüsten spritzende Muttermilch”, über die bestimmt niemand in meinem Verwandten- und Freundeskreis mit mir sprechen möchte, habe ich ganze 10 Monate lang verpasst? Ihr verarscht mich. Warum hat mir vorher niemand gesagt, dass es bei den Anonymen Stilloholikern so toll ist und ich mich hier so wohl fühlen würde?

“… stillen im Tragetuch. Dann kann man nebenbei was erledigen.”

Nein, nicht euer Ernst? Jetzt bin ich aber wirklich ein bisschen angefressen. Wieso, um alles in der Welt, bin ich da, trotz exzessivem, monatelangem Stillen, nicht selbst drauf gekommen? Ich johle entsetzt auf, während Lilly den Spaß ihres Lebens hat und ausgelassen mit zwei Babys in ihrem Alter spielt.

 

Zu cool für Mutter-Kind-Treffs? Selbst schuld!

Stand ich mir also all die Zeit, seitdem ich Mutter bin, mal wieder selbst im Weg? Zu coool für Mutter-Kind-Treffs, was? Selbst Schuld. Probleme – ich doch nicht! Und was soll man einer Stillmutter nach fast 11 Monaten stillen noch groß beibringen? Siehste, einfach doof meine Vorurteile, sonst hätte ich den Stilltreff schon viel eher für mich entdeckt und mir bestimmt den ein oder anderen Kummer erspart.

 

Fazit

Während des 90-minütiges Meetings lerne ich erstaunlich viel Neues und fühle mich tatsächlich in meinem Vorhaben, weiterstillen zu wollen, bis ich das Gefühl habe, dass mein Kind es nicht mehr braucht, bestärkt.

 

Empfehlung

Darum kann ich euch guten Gewissens den Austausch in einer Stillgruppe empfehlen, auch wenn ihr vielleicht denkt, ihr hättet gar keine Stillprobleme oder solche Treffen bisher von vorn herein vorverurteilt habt. Das Stilltreffen war eine sehr schöne Erfahrung, die mir großen Spaß und Mut gemacht hat, obwohl ich “Gruppen” im Allgemeinen total bescheuert finde, warum auch immer. Probiert es doch einfach mal aus, im schlimmsten Fall bleibt euer erstes Stilltreffen auch euer letztes.

 

Persönlich habe ich folgende Stillgruppe besucht:

La Leche Liga Deutschland e.V.

Seidlvilla in München Schwabing

Nikolaiplatz 1b

80802 München

 

Infomaterial & Downloads des La Leche Liga Deutschland e.V.

 

Eure Jananibe

2017-10-01T05:52:46+00:00

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